Wir sind nicht hier, um Ihnen Moralpredigten zu halten – dafür wartet in meiner Badezimmerschublade vermutlich noch ein Keramik-Glätteisen geduldig auf seinen Einsatz, während ich für meinen Friseurtermin nächsten Mittwoch immer noch zwischen Honigsträhnen und Schokoladenbraun schwanke.

Aber mal ehrlich: Wer sich für solche „Behandlungen“ entscheidet, muss anschließend auch bei der Pflege nachlegen. Sonst sollten Sie sich nicht über Spliss, Haarbruch und strohige Haare beschweren.

Glätteisen, Colorationen, Föhn: Welche Pflege brauchen Ihre Haare?

Hier sind ein paar „SOS-Haare“-Tipps, damit Sie Ihre Haare trotz schlechter Angewohnheiten bestmöglich pflegen.

Ich glätte meine Haare (sehr) regelmäßig

Die Risiken: Das Glätteisen erhitzt das Haar auf eine „extreme“ Temperatur, damit sich die Haarstruktur glättet und die Schuppenschicht schließt – so sollen selbst lockige Haare perfekt glatt aussehen. Glätteisen werden immer ausgefeilter und versprechen mit Keramikplatten, Ionen und Temperaturregelung, die Haarstruktur unversehrt zu lassen. Wir sagen: hübsch, aber nicht naiv. Diese Hitze direkt am Haar wird es früher oder später schädigen, ganz gleich, was die Werbung behauptet.

Ein Glätteisen mit Keramikplatten gleitet über eine gut getrocknete Haarsträhne
Keramikplatten und maximal 180 °C, um die Haarstruktur zu schonen

Das Ergebnis: Nach mehreren Monaten Nutzung trocknen die Haare aus, Spliss entsteht, sie brechen ab und lassen sich immer schwerer kämmen.

Um Haar-Dramen und erzwungene Kurzhaarschnitte zu vermeiden, sollten Sie zuerst ein vernünftiges Glätteisen wählen. Nein, auch das verhindert nicht, dass das Haar Schaden nimmt, aber es ist deutlich schonender als ein Billigmodell, das auf 200 °C aufheizt. Entscheiden Sie sich für ein Glätteisen mit Keramikplatten, dessen Temperatur 180 °C nicht überschreitet.

Schützen Sie Ihre Haare gut: Masken und Conditioner sind ein Muss, und vor allem lohnt sich ein Hitzeschutz-Serum ohne Ausspülen, das mit der Hitze arbeitet. Immer mehr Marken bieten solche Produkte an.

Eine letzte Sache: Vielleicht hören Sie von Glätteisen, die auch auf nassem Haar funktionieren sollen. Überhören Sie das. Ein Glätteisen darf niemals auf nassem oder auch nur feuchtem Haar verwendet werden – sonst können die Haare verbrennen. Trocknen Sie Ihr Haar vorher vollständig und glätten Sie erst dann. Zum Schluss können Sie, wenn nötig, etwas Haarspray oder eine erbsengroße Menge Schutzcreme in die Längen und Spitzen geben.

Glätteisen, Colorationen, Föhn: Welche Pflege brauchen Ihre Haare?

Ich bin ein Bürsten-Fan und gehe nicht zimperlich vor

Die Risiken: Haare bürsten kann guttun, und Bürsten hat sogar Vorteile – es hebt die Haare an, belüftet die Kopfhaut, verteilt Talg und entfernt Staub. Doch zu oft und zu grob gebürstet, ermüdet es das Haar bis zur Wurzel, die durch das Bürsten regelmäßig gezogen wird. Das kann zu plötzlichem Haarbruch oder nach einigen Jahren sogar zu Haarausfall führen.

Eine Bürste mit Naturborsten, die Spitzen entwirrt, ohne die Haare zu brechen
Immer von den Spitzen her entwirren, nie von der Wurzel aus

Auch hier kommt es zuerst auf die richtige Ausrüstung an. Keine Metallbürste, keine Kunststoffbürste, sondern eine Bürste mit Naturborsten, zum Beispiel aus Wildschweinborsten. Sie hilft, übermäßigen Haarbruch und gleichzeitig statische Aufladung zu vermeiden.

Wenn Ihre Haare zu flach liegen, bürsten Sie sie mit dem Kopf nach unten. Grundsätzlich gilt: Entfernen Sie Knoten zuerst in den Spitzen, damit sie sich nicht sammeln und verstärken – das passiert leicht, wenn Sie von der Wurzel aus bürsten.

Wenn Sie einen Knoten lösen, halten Sie die Strähne, an der Sie arbeiten, etwas oberhalb der Wurzel fest, damit sie nicht übermäßig belastet wird.

Vermeiden Sie außerdem, die Haare im nassen Zustand zu bürsten, und gehen Sie sanft vor. Vergessen Sie nicht: Haare sind lebendig und manchmal empfindlich.

Ich übertreibe es mit der chemischen Haarglättung

Die Risiken: Viele kennen sie und haben schon dafür bezahlt. Man muss nur Online-Diskussionen über chemische Haarglättung lesen, um zu verstehen, dass sie sehr aggressiv für das Haar ist. Tatsächlich dringen Glättungsprodukte in das Haar ein und verändern seine Struktur, sodass selbst stark krauses Haar glatt erscheint. Doch chemische Glättung macht das Haar extrem brüchig. Kombiniert man sie zusätzlich mit Föhn-Brushings, Weaves oder anderen Frisuren, bei denen am Haar gezogen wird, drohen erhebliche Haarverluste.

Wenn Sie wirklich auf chemische Glättung nicht verzichten möchten, setzen Sie sich Grenzen: höchstens zweimal pro Jahr. Vertrauen Sie die „Operation“ besser einem guten Friseur an, statt sie selbst mit manchmal sehr aggressiven Glättungsprodukten durchzuführen.

Kombinieren Sie chemische Glättung möglichst nicht mit Colorationen und Balayage – auch sie machen das Haar empfindlicher und trockener. Und überspringen Sie die Pflege nicht; sie ist die einzige Möglichkeit, schöne Haare zu behalten. Damit ist nicht die Maske gemeint, die angeblich schon nach einer Minute wirkt, sondern Ölkuren und richtig reichhaltige Pflege, die mindestens eine halbe Stunde einwirken muss, damit die Haarstruktur sie aufnehmen kann.

Meine fettigen Haare zwingen mich zum täglichen Waschen

Die Risiken: Zu häufiges Shampoonieren wird oft kritisiert, weil es das Haar empfindlich und trocken machen soll. Manchmal stimmt das, doch es gibt eine Einschränkung: Shampoo hat auch Vorteile, denn es entfernt überschüssigen Talg, der die Kopfhaut belastet und langfristig für Haarausfall mitverantwortlich sein könnte.

Wenn Sie eine fettige Kopfhaut haben, ist es wichtig, die Haare zu waschen, sobald sie Ihnen stark fettig erscheinen. Entscheidend ist ein mildes Shampoo – manche Produkte richten mehr Schaden an als Nutzen. Vorsicht vor Schuppen, die durch zu austrocknende Shampoos entstehen können.

Lassen Sie sich für die Wahl Ihres Shampoos von Ihrem Friseur beraten oder schauen Sie bei spezialisierten Haarpflegemarken. René Furterer bietet zum Beispiel sehr gute Produkte, ebenso wie Opalis und Phyto.

Colorationen und Balayage sind meine kleinen Sünden

Die Risiken: Ob permanente Coloration mit Ammoniak oder semi-permanente Farbe, die oft erneuert wird – Colorationen strapazieren das Haar generell, ebenso wie die Aufhellung, die für ein Balayage nötig ist. Das Ergebnis: Die Haare trocknen aus, brechen ab und lassen sich immer schwerer stylen. Auch ihr Aussehen verändert sich – weniger Glanz, selbst nach dem Styling weniger glatt; sie ähneln eher Stroh als einer seidigen Textur.

Auch hier gilt: vernünftig bleiben. Vermeiden Sie zu viele Colorationen und das Übereinanderschichten, nur weil die letzte Ihnen nicht gefiel und die aktuelle Sie blass wirken lässt. Warten Sie mindestens einen Monat zwischen zwei Colorationen. Gut gemachte Balayage kann manchmal zwei bis drei Monate bis zum nächsten Friseurtermin überbrücken, weil das Ergebnis natürlicher wirkt und der Ansatz weniger auffällt.

Danach pflegen Sie Ihre Haare täglich: nährende Pflege und Farbauffrischung, damit die Farbe nicht zu schnell verblasst. Einige Tage vor und nach der Coloration sind außerdem ein paar Ölkuren sinnvoll, die über Nacht einwirken und erst dann ausgewaschen werden – für ein optimales Ergebnis. Das Palmöl von Leonor Greyl ist ein Beispiel für eine hervorragende Ölkur; es gibt aber noch viele andere.

Für mich gilt: Föhn-Brushing oder nichts

Die Risiken: Beim Föhn-Brushing sind sie fast dieselben wie beim Glätten, denn die Hitze des Haartrockners ist aggressiv und strapazierend. Die Haare sind schnell geschädigt, brüchig und trocken und lassen sich immer schwerer stylen. Man sieht es auch: Das Föhnen wird mühsamer, das Ergebnis weniger schön.

Wenn Sie vom Föhn-Brushing nicht lassen können, müssen Sie bei der Pflege umso mehr tun: Ölkuren, nährende Shampoos und ähnliches werden die besten Freunde Ihrer strapazierten Haare. Überspringen Sie nie die Pflege vor dem Föhnen, und verwenden Sie ein Serum vor dem Föhnen, das die Haare so gut wie möglich vor Hitze schützt.

Investieren Sie außerdem in einen Haartrockner mit mehreren Temperaturstufen, besorgen Sie sich eine Rundbürste mit Naturborsten, die die Haarstruktur schonender behandelt, und halten Sie die Düse des Haartrockners niemals direkt an die Strähne, die Sie bearbeiten. Halten Sie mindestens ein paar Zentimeter Abstand, damit das Haar nicht verbrennt.

Ach, wir Frauen! Voller Widersprüche träumen wir von schönen, kräftigen, glänzenden und gesunden Haaren, so „neu“ wie in der Grundschulzeit – und dann reihen wir Colorationen, Glätten, chemische Glättung, Balayage, Föhn-Brushings und aggressives Bürsten aneinander. Wenn der erste Spliss auftaucht, setzen wir auf eine Reparaturmaske, die wir natürlich nur ungern länger als fünf Minuten einwirken lassen: „Ich habe ja nicht nur das zu tun.“ Wir wissen das alles, aber es ist schwer, diesen Techniken zur Bändigung der Mähne zu widerstehen, die uns leuchtendere Farben, besser frisierbare Haare und einen schöneren Look versprechen.

Budget

Beim Budget können Sie für ein einfaches Keramik-Glätteisen mit Temperaturregelung mit etwa 30 bis 60 € rechnen, für ein Modell mit kontrollierter und genau angezeigter Temperatur eher mit 80 bis 200 €. Ein solider Haartrockner mit mehreren Temperaturstufen und Konzentrator-Düse liegt zwischen 40 und 120 €. Bei Pflegeprodukten, Masken und Hitzeschutz-Seren von Haarpflegemarken (René Furterer, Phyto, Leonor Greyl …) beginnen die Preise oft bei etwa 15 bis 25 € und steigen je nach Inhalt und Konzentration. Ölkuren gibt es fertig zu kaufen oder zum Selbstanrühren – ein einfaches Pflanzenöl (Argan, Kokos, Olive) kostet im Reformhaus oder Bio-Markt oft weniger als 10 €. Im Salon liegen ein Pflegeschnitt und Föhn-Brushing je nach Stadt meist bei etwa 30 bis 60 €, Colorationen zwischen 50 und 120 €: ein Budget, das man nicht unterschätzen sollte, wenn sich die Termine häufen.

Quellen

  • Société française de dermatologie – allgemein verständliche Informationen zu Haar und Kopfhaut (französische dermatologische Fachgesellschaft; für Deutschland sind bei gesundheitlichen Fragen ansonsten BfArM, BZgA und Verbraucherzentralen relevante Anlaufstellen).
  • Inserm – Dossiers zur Biologie des Haares und zum Haarzyklus.
  • ANSES – Empfehlungen zu Kosmetikprodukten und Haarfärbung.