Sie haben es gerade erfahren – und gehen seitdem den ganzen Tag im Kopf noch einmal durch: der Kaffee am Morgen, der Käse am Abend und dieses Glas Wein beim Essen, lange bevor Sie überhaupt einen Verdacht hatten. Bei Alkohol, Tabak und Medikamenten waren die Botschaften lange schwammig – heute sind sie klarer, als viele glauben.

Alkohol: Die einzig sichere Dosis bleibt null

Lange hieß es, ein Glas zu einem besonderen Anlass mache nichts aus. Die aktuelle Datenlage deutet auf das Gegenteil hin. Alkohol zirkuliert im Blut, überwindet die Plazenta – und die Leber des Ungeborenen ist viel zu unreif, um ihn abzubauen.

Fachleute schätzen, dass etwa eines von 1.000 Neugeborenen mit einem fetalen Alkoholsyndrom zur Welt kommt; die sogenannten Fetalen Alkoholspektrumstörungen (FASD) betreffen noch deutlich mehr Kinder. Wachstumsverzögerungen, Schädigungen des Nervensystems, Konzentrations- und Lernschwierigkeiten: Nichts davon lässt sich aufholen, wenn das Kind erst einmal geboren ist.

Ein hilfreicher Anhaltspunkt: In Frankreich ist seit 2007 ein gesundheitlicher Hinweis auf Alkoholflaschen vorgeschrieben. Und die offizielle Empfehlung lässt sich in einem Wort zusammenfassen – null, vom ersten Tag bis zum letzten, Stillzeit eingeschlossen.

Und wenn Sie ein Glas getrunken haben, bevor Sie es wussten? Das passiert sehr häufig und ist kein Vergehen. Sprechen Sie mit Ihrer Hebamme oder Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt darüber – gemeinsam können Sie die Situation einordnen.

Weinflasche mit leerem Etikett und Wasserkaraffe auf einem hellen Eichentisch
Seit 2007 trägt in Frankreich jede Flasche den vorgeschriebenen Gesundheitshinweis

Rauchen: Aufhören – aber nicht allein

Die Botschaft ist angekommen, gelöst ist das Problem deshalb noch nicht: Viele Frauen rauchen noch im dritten Trimester. Tabak bleibt jedoch ein wesentlicher Risikofaktor für Frühgeburten, ein zu geringes Geburtsgewicht und Atemwegsprobleme beim Baby.

Es ist nie zu spät: Auch ein Ausstieg spät in der Schwangerschaft hat noch eine Wirkung. Und vor allem: Sie müssen es nicht allein mit reiner Willenskraft versuchen. Nikotinersatzpräparate können in der Schwangerschaft nach Rücksprache mit einer Fachperson verschrieben werden, und das kostenlose Rauchfrei-Telefon der BZgA (0800 8 31 31 31) vermittelt passende Unterstützung.

Schwangere Frau auf einem Sofa, mit einer Tasse Tee und einem Telefon in der Hand
Nikotinersatz und Beratungstelefon: Der Ausstieg will begleitet geplant sein

Medikamente: Keine Selbstmedikation – und kein Absetzen im Alleingang

Beruhigungsmittel, Schlafmittel, Antidepressiva: Diese Arzneimittel wirken auf das Nervensystem – und das Ungeborene ist ihnen ausgesetzt. Doch kein Medikament ist in der Schwangerschaft harmlos, auch nicht die rezeptfrei erhältlichen.

Hände halten eine neutrale Medikamentenschachtel und ein Glas Wasser über einem Tisch
Keine Tablette ohne Rücksprache mit der Person, die die Schwangerschaft begleitet

Zwei Grundregeln sind besser als jede lange Liste. Beginnen Sie nichts, ohne mit einer Fachperson zu sprechen, die Ihre Schwangerschaft kennt. Und setzen Sie auch ein laufendes Medikament nicht ohne Rücksprache ab: Eine unbehandelte Depression oder Angststörung belastet das Baby ebenfalls. Embryotox, die Beratungsstelle für Embryonaltoxikologie an der Charité in Berlin, veröffentlicht aktuelle Informationen zu Arzneimitteln in der Schwangerschaft. Cannabis wiederum wird mit einem niedrigeren Geburtsgewicht und Aufmerksamkeitsproblemen in Verbindung gebracht.

Konkret heißt das: null Alkohol, null Tabak, keine Selbstmedikation. Sie nehmen regelmäßig ein Medikament? Setzen Sie es nicht allein ab, sondern vereinbaren Sie einen Termin. Für Unterstützung: die Sucht- und Drogen-Hotline der BZgA (01806 313031), das Rauchfrei-Telefon der BZgA (0800 8 31 31 31) sowie Ihre Hebamme, Ihre Ärztin oder Ihr Arzt oder Ihre Klinik.

Was wir wissen – und was noch nicht

Dass diese drei Belastungen die Entwicklung des Babys beeinflussen, gilt als gesichert – und für Alkohol wurde bislang kein unbedenklicher Schwellenwert gefunden. Bei anderen Wirkstoffen sind die Langzeitfolgen nach wie vor unzureichend bekannt. Genau deshalb zählt die regelmäßige Betreuung mehr als jede Gewissheit: Jede Situation wird einzeln betrachtet, gemeinsam mit einer Fachperson, die Ihren Verlauf begleitet.

Schwangere Frau von hinten auf einem Parkweg am späten Nachmittag
Die regelmäßige Betreuung zählt mehr als jede Gewissheit – Fall für Fall

Quellen

  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) – Informationen zu Alkohol und Schwangerschaft sowie zur Kampagne „Null Alkohol in der Schwangerschaft“ (bzga.de)
  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) – Rauchen und Schwangerschaft, Rauchfrei-Telefon 0800 8 31 31 31 (rauchfrei-info.de)
  • Embryotox – Beratungsstelle für Embryonaltoxikologie an der Charité Berlin, Arzneimittel in der Schwangerschaft (embryotox.de)
  • Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) – Informationen zu Arzneimitteln in der Schwangerschaft (bfarm.de)
  • Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA) – Mutterschafts-Richtlinien zur Betreuung in der Schwangerschaft (g-ba.de)
  • Gesetzliche Krankenkassen – medizinische Vorsorge in der Schwangerschaft (z. B. via gesundheitsinformation.de)