Öffnen Sie einmal Ihren Kleiderschrank und schauen Sie ins oberste Fach: Die Chancen stehen gut, dass dort ein kleines grünes Krokodil schlummert – aufgestickt auf ein gefaltetes Poloshirt oder eine Cap. Das Reptil ist fast hundert Jahre alt und kein bisschen gealtert. Wie hat es eine Marke, die auf Tennisplätzen geboren wurde, geschafft, sich dauerhaft in unseren Kleiderschränken einzurichten? Ihre Geschichte lohnt sich.

Eine verlorene Wette, ein gewonnener Spitzname
Alles beginnt 1923 bei einem Tennisturnier in den USA. René Lacoste, damals junger Spieler der französischen Mannschaft, wettet mit Pierre Gillou, dem Kapitän des französischen Davis-Cup-Teams, um einen Koffer aus Krokodilleder. Er verliert das Match – kämpft aber bis zum letzten Ballwechsel. Die amerikanische Presse nennt ihn „the Alligator“, das Tier, das seine Beute angeblich nie loslässt; in Frankreich wird daraus „le Crocodile“.

Und das Detail, das die Geschichte kippen lässt? Sein Freund Robert George stickt ein kleines grünes Krokodil auf die Tasche seiner Jacke. Ein aufgenähtes Logo, deutlich von außen sichtbar – während die Sportwelt damit damals überhaupt nichts anfangen konnte. Niemand machte so etwas.

1933 – das Polo, das den Grundstein legt
René Lacoste beendet seine Spielerkarriere aus gesundheitlichen Gründen. Statt sich entmutigen zu lassen, steigt er ins Geschäft ein: Mit dem Textilhersteller André Gillier gründet er La Chemise Lacoste und entwirft ein Polo für Tennis, Golf und Segeln. Piqué-Strick, Baumwolle, gerippter Kragen, kurze Ärmel, hinten etwas länger: Das Kleidungsstück atmet, nimmt Schweiß auf und macht jede Bewegung mit. Damals spielte man noch in Straßenkleidung – größer hätte der Unterschied kaum sein können.


Dieses Kleidungsstück ist die spätere L.12.12: L wie Lacoste, 1 für den Piqué-Stoff, 2 für die kurzen Ärmel, 12 für die Anzahl der Prototypen bis zur Freigabe. Weiß dominiert bis 1951 – dann darf das Polo auch Rot, Marineblau und Hellblau tragen.
Vom Tennisplatz auf die Straße
In den 1960er-Jahren verschwimmt die Grenze zwischen Sport und Alltag. Getragen um seiner selbst willen und nicht mehr nur zum Spielen, verlässt das Polo mit dem Krokodil die Courts und erobert die Straße – befeuert von der aufkommenden Sportswear-Welle. 1967 gibt es das Polo in 21 Farben, eine Damenlinie entsteht, und die Marke wird international. 1989 erweiterte Lacoste sein Terrain: Golfzubehör, Schuhe, Uhren, Heimtextilien, Gepäck und kleine Lederwaren. Parfüms gehören übrigens schon seit 1968 zum Haus – sie waren also nicht Teil dieser Erweiterung.

Dann kommt die Modewende. Im Jahr 2000 übernimmt Christophe Lemaire die künstlerische Leitung und zeigt seine erste Kollektion für Frühjahr/Sommer 2002 im Jahr 2001 in New York. Seitdem hat das Haus einige Designerblicke hinter sich: Felipe Oliveira Baptista von 2010 bis 2018, danach Louise Trotter, ab 2023 Pelagia Kolotouros. Bei den Kooperationen sorgten die Kapselkollektion mit Supreme (ab 2016) und die Golf-le-Fleur-Serie von Tyler, the Creator weit über die Tennisplätze hinaus für Gesprächsstoff.
Wie Sie es heute tragen
Konkret ist das Polo längst keine Clubuniform mehr: Es ist ein Basic, das viel verzeiht, und ein echter Baustein einer Capsule Wardrobe. Für einen cleanen Gesamtlook: weißes oder marineblaues Polo, gerade Jeans, Loafer – da muss nichts mehr dazu, das funktioniert. In der Streetwear-Variante nehmen Sie es eine Nummer größer und tragen es offen über einem weißen T-Shirt, dazu ein niedriger Sneaker. Etwas schicker wird es unter einem ungefütterten Blazer, den Kragen sichtbar gelassen: das einfachste Layering überhaupt – und eines der wirksamsten.


Ein Hinweis vor dem Kauf: Piqué-Strick gibt mit der Zeit nach. Wenn Sie zwischen zwei Größen schwanken, greifen Sie zur kleineren – das Polo schmiegt sich schnell an den Körper, und nach ein paar Mal Tragen sitzt es, wie es soll.
Der wichtigste Pflegetipp überhaupt: Waschen Sie Ihr Polo kalt und auf links, und lassen Sie es flach liegend trocknen. So behält der Piqué-Strick seine Rippen besser, und der Kragen wellt sich nicht. Trockner: bitte nicht, ohne Ausnahme.


Preisrahmen
Was den Preis angeht: Ein Polo aus Piqué-Strick dieses Hauses liegt neu meist zwischen 90 und 130 €, im Laden wie im offiziellen Onlineshop. In Outlets und im Abverkauf sinkt der Preis auf etwa 50 bis 80 €, vor allem am Saisonende und bei weniger gefragten Farben. Bei Secondhand – Vintage-Läden, Privatverkauf – rechnen Sie mit 20 bis 60 €, je nach Zustand und Seltenheit des Modells: Dort ist das Preis-Leistungs-Verhältnis am besten. Zwei Dinge vorher prüfen: den Zustand des Kragens (wellt er sich, ist das Stück erledigt) und die Abnutzung an den Knöpfen.
Wenn Sie ein vergleichbares Teil möchten, ohne diesen Preis zu zahlen, schauen Sie sich bei Marken für Strick aus Bio-Baumwolle um: Der Sitz ist oft ähnlich, und das Material ist besser nachvollziehbar. Der Kompromiss? Die Schnitte sind meist weniger ausgefeilt. Sie entscheiden, was Ihnen wichtiger ist.
Ich habe dieses Polo nicht auf dem Tennisplatz getestet, trage es aber seit Jahren im Alltag – und genau dort überzeugt es am meisten. Sport, Mode, Erbe: Die Balance stimmt noch immer, mehr als zwanzig Jahre nach der Verjüngungskur von 2000. Ein Kleiderschrank-Teil, das Sie im Blick behalten sollten, egal welchen Stil Sie haben.
Quellen
- Lacoste, „Unsere Geschichte“, offizielle Website: lacoste.com
- International Tennis Hall of Fame, Profil René Lacoste: tennisfame.com





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