Öffnen Sie an einem Septembermorgen Ihren Kleiderschrank und schauen Sie, was herausfällt: Schwarz, Grau, Camel. Praktisch, passt zu allem – und auf Dauer etwas trist. Dabei reicht schon ein einziges Pastellteil, um die Silhouette aufzufrischen. Voraussetzung: Sie machen einen Schlussstrich unter die 2010er, als Pastell noch für einen kompletten Flieder-Look von Kopf bis Fuß stand. Heute setzt man Pastell nur in Akzenten ein, als eine Farbe unter vielen.

Pastell ist keine Frühlingsfarbe
Der erste Reflex, den Sie vergessen sollten: zarte Töne nur für die warme Jahreszeit reservieren. Nicht die Farbe entscheidet, sondern das Material. Ein Pulli aus Wolle in Puderrosa funktioniert im Oktober sehr gut zu einer Hose aus anthrazitfarbenem Breitcord, genauso wie ein Trenchcoat in Babyblau über einer ungewaschenen Jeans. Was schlecht gealtert ist, sind feine, glänzende Materialien – rosa Satin, zu hell gewaschene Baumwolle –, nicht der Farbton selbst. Eine Wolle mit gutem Fall, ein schwerer Denim, matte Seide: Das macht Pastell im Herbst glaubwürdig.

Der zweite Reflex, den Sie korrigieren sollten: Greifen Sie lieber zu leicht gräulichen Nuancen als zu satten Tönen. Mandelgrün, Babyblau, Buttergelb. Diese Töne lassen den Teint frisch wirken, ohne Rötungen zu betonen, und sie vertragen sich mit Schwarz, ohne in Konflikt damit zu geraten. Das ist der ganze Reiz von Layering: die zarte Farbe darunter, das dunkle Stück darüber.

Mit drei Teilen sind Sie beim Trend dabei
Sie müssen Ihre Garderobe nicht komplett erneuern. Feinstrick in zarter Farbe unter einer dunklen Jacke ist die einfachste Variante und im Büro am leichtesten zu tragen: gerader Schnitt, sauberer Fall, mattes Material.

Dann die Pastell-Jeans. Sie hat sich am stärksten verändert: Während Jeggings in den 2010ern das Bein einengten, hält eine gerade oder leicht ausgestellte Passform die Silhouette besser – besonders in schwerem Denim. Der Fall gibt der Erscheinung Struktur, der Farbton macht sie leichter.

Die Bluse aus Puderrosa-Seide bleibt das lohnendste Statement-Piece dieser Garderobe. Eine Rüsche, ein verwaschener Blumenprint, eine leicht lebendige Textur: Sie lässt sich mit ungewaschener Jeans und Ballerinas kombinieren oder verschwindet unter einem Blazer, wenn es etwas schicker sein soll.

Bei den Accessoires setzt Pastell diskrete Akzente: ein blassgelbes Halstuch um den Hals, das müde Haut munterer wirken lässt, ein schmaler Gürtel in Hellviolett, eine Ledertasche in Babyblau. Hier testen Sie den Trend am günstigsten – und oft sieht man hier das Ergebnis am deutlichsten.

Bis in die Nagelspitzen
Ich habe die Nagellacke dieser Saison nicht getestet, deshalb gebe ich Ihnen lieber die Technik als eine Produktmeinung. Zwei dünne Schichten auf einer Unterlackschicht, niemals eine einzige dicke Schicht: So vermeiden Sie Streifen, und die Farbe hält länger. Helle Pastelltöne verzeihen unregelmäßige Kanten weniger, nehmen Sie sich für die erste Schicht Zeit. Ein Trick, der funktioniert: Den Nagellack auf den Strick abstimmen, ohne den exakt gleichen Ton zu suchen. Mandelgrün zu einem Pulli in Puderrosa wirkt moderner als ein identisches Duo.

Bei der Formel lohnt sich ein Blick auf Nagellacke, deren Lösungsmittel pflanzlichen Ursprungs sind und die oft in Glasflaschen angeboten werden, sowie auf Marken, die Nachfüllungen anbieten oder leere Flaschen zurücknehmen. Der ressourcenschonendste Schritt ist übrigens auch der einfachste: eine Flasche aufzubrauchen, bevor Sie eine neue kaufen.
Lust, den Trend auszuprobieren, ohne etwas zu kaufen? Holen Sie alles aus dem Kleiderschrank, was weiß, ecru oder cremefarben ist. Weißes Hemd, ecrufarbenes T-Shirt, cremefarbener Strick: Sie sind die besten Verbündeten für ein Pastellteil – und sie sind schon bei Ihnen.

Budget
Rechnen Sie mit etwa 50 bis 100 € für eine Pastell-Jeans aus zertifizierter Bio-Baumwolle, 30 bis 80 € für Feinstrick, 15 bis 45 € für ein Halstuch oder einen Gürtel. Lederballerinas sind schneller teurer: 90 bis 180 € für ein genähtes Paar, das sich beim Schuhmacher reparieren lässt.
Was den Preis schwanken lässt, sind Material und Herstellungsort. Bio-Baumwolle ist in der Produktion teurer, doch das GOTS-Label deckt die gesamte Verarbeitungskette ab, nicht nur die Faser. Umgekehrt bleibt eine konventionelle Pastell-Jeans für rund 30 € möglich: ein Kompromiss, zu dem Sie stehen müssen, wenn das Budget nicht mitspielt – wählen Sie sie dann besser robust und behalten Sie sie lange.
Wo Sie suchen: Markenshops für präzise Passformen, große Modeketten für Basics und vor allem Secondhand – online oder im gemeinnützigen Secondhandladen. Eine gebrauchte Pastell-Jeans liegt oft unter 20 €, und das ist die ressourcenschonendste Option.
Quellen
- GOTS (Global Organic Textile Standard), Zertifizierungsstandard für Bio-Textilien, von der Faser bis zum fertigen Kleidungsstück.
- EU Ecolabel, europäisches Umweltzeichen, das die Auswirkungen eines Produkts über den gesamten Lebenszyklus bewertet.
- Refashion, französische Öko-Organisation der Textilbranche, Sammlung und Recycling.





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