Sie haben auch schon mal eine Tube in der Hand gedreht, „bio“ in großen Lettern gelesen und den Deckel dann wieder zugeschraubt, ohne zu wissen, was das Wort eigentlich verbindlich bedeutet? Mir geht es genauso. Als ich das Archiv von Bi Oh! wieder aufgemacht habe – einer kleinen französischen Pflegelinie, die heute aus den Regalen verschwunden ist –, habe ich meine Maßstäbe neu sortiert. Und glauben Sie mir: Diese Geschichte erzählt noch heute eine Menge darüber, was in der Bio-Abteilung der Drogerie wirklich läuft.

Drei Frauen, drei Zugänge zu Bio

Bi Oh!, das war zuerst einmal ein Trio. Anna, die Jüngste, ist mit diesen Werten groß geworden und vertritt eine Art leisen Aktivismus: lieber etwas bewegen als alles pauschal ablehnen. Jeanne, Anfang dreißig, modebegeistert, kam von weit her – sie fand Bio-Kosmetik trist, die Düfte gewöhnungsbedürftig und die Verpackungen ehrlich gesagt ziemlich spröde. Ihr Ziel ließ sich in einem Satz zusammenfassen: dieses Image aufbrechen. Sarah, Mitte fünfzig, Mutter, kauft seit jeher aus gesundem Menschenverstand bio ein und sagt es ohne Umschweife: Der Preis bleibt das größte Hindernis. Alle drei wollten dasselbe – diese Handgriffe zugänglich und schön machen, statt sie einer Elite zu überlassen.

Drei Frauen stehen zusammen vor einer hellen Frisierkommode, in der Hand ein Peeling-Tiegel
Drei Freundinnen, drei Wege zum Bio – und derselbe Handgriff

Was in der Linie „Les Basiques“ steckte

Die Linie umfasste 18 Produkte für Körper und Gesicht, gedacht für normale Haut und normales Haar, mit Düften nach roten Früchten, Minze oder Lavendel und Wirkstoffen wie weißer Tonerde, Bambus oder Macadamianuss. Körper- und Haarpflege konnten für alle passen; bei der Gesichtspflege war das anders. Eine Tagescreme wird nun einmal anders formuliert als ein Duschgel, und empfindliche Haut findet dort nicht zwangsläufig, was sie braucht.

Bei den Preisen reichte die Spanne von 3,90 € bis 12,90 € – Handcreme ab 5 €, sanftes Peeling ab 6,50 €, Shampoo ab 5 €. Also ein bewusst günstiger Einstieg – und ehrlich gesagt war genau das der Grund, warum das Versprechen glaubwürdig blieb: schöne Bio-Pflege, die nicht unbezahlbar ist, war damals noch eine neue Idee.

Ich habe diese Produkte nie getestet: Sie sind nicht mehr im Handel. Was ich aber tun kann, ist zu prüfen, was die angegebenen Siegel wert waren – denn genau dort entscheidet sich auch heute noch alles.

Shampooflasche aus bernsteinfarbenem Glas und festes Shampoo auf einem nassen Stein, daneben Minzblätter
Düfte nach Minze und roten Früchten, Formate für Körper und Haar

Das Siegel: die eigentliche Information

Die Marke war von Ecocert zertifiziert und trug das Label Cosmébio. Gute Nachricht: Diesen Rahmen gibt es noch, aber er hat sich weiterentwickelt. Die französischen und europäischen Regelwerke wurden im COSMOS-Standard zusammengeführt, getragen unter anderem von Cosmébio, Ecocert, BDIH, ICEA und der Soil Association – mit zwei Stufen: COSMOS ORGANIC und COSMOS NATURAL.

Konkret legen diese Kriterienkataloge den Anteil natürlicher Inhaltsstoffe fest. Nur die Stufe ORGANIC verlangt zusätzlich Mindestquoten an Bio-Inhaltsstoffen im fertigen Produkt und an zertifiziert bio angebauten Pflanzen; COSMOS NATURAL begnügt sich mit einem hohen Anteil natürlicher Inhaltsstoffe. Die Schwellenwerte unterscheiden sich zudem je nach Kategorie – ein Produkt, das ausgespült wird, wird anders bewertet als eine Tagescreme. Festzuhalten: In einer Formel, die Wasser enthält, kann ein Kosmetikum nie „100 % bio“ sein, denn Wasser ist kein landwirtschaftlicher Rohstoff. Ein wasserfreies Kosmetikum dagegen – Öl, Balsam, Puder, manche festen Shampoos – kann zertifiziert ausschließlich aus Bio-Inhaltsstoffen bestehen. Eine Flasche, die „100 % bio“ verspricht, ohne das zu präzisieren, ist ein Warnsignal.

Der Handgriff, der im Regal den Unterschied macht. Drehen Sie das Produkt um und lesen Sie die INCI-Liste. Die ersten fünf Inhaltsstoffe sagen schon viel über die Formel aus: Stehen Duftstoffe oder Alkohol weit oben, kann die Formel für empfindliche Haut aggressiver sein. Suchen Sie dann das Logo COSMOS ORGANIC oder COSMOS NATURAL und den Namen der Zertifizierungsstelle. Und werfen Sie einen Blick auf das Ende des Lebenszyklus: Glas, Karton, Nachfüllpackung, sortenreine Tube. Die Verpackung wiegt bei der Umweltbilanz eines Produkts manchmal schwer.

Junge Frau dreht in einem hellen Bioladen eine Glasflasche, um die Rückseite zu prüfen
Im Regal steht das Wichtigste auf der Rückseite der Flasche
Junge Schwarze Frau trägt in einem hellen Badezimmer eine Bio-Creme auf dem Unterarm auf
Ob eine Pflege überzeugt, zeigt sich auch beim Auftragen, nicht nur auf dem Etikett
Nahaufnahme der Textur eines geöffneten Bio-Balsams im Glas, daneben goldenes Öl
Vor der Verpackung kommt die Rezeptur: Textur, Stoffe, Inhaltsstoffe

Budget: Was Bio-Kosmetik 2026 kostet

Die Preise schwanken, die Spanne ist breit.

  • Bio-Handcreme (50 bis 100 ml): rechnen Sie mit 5 bis 12 € im Drogeriemarkt oder in der Apotheke, bei Spezialmarken bis zu 20 €.
  • Festes Bio-Shampoo: 7 bis 15 € pro Stück, manchmal sparsamer als eine 250-ml-Flasche.
  • Bio-Duschgel (500 ml): 5 bis 12 €.
  • Körperpeeling (200 ml): 8 bis 20 €.
  • Bio-Gesichtspflege (30 bis 50 ml): 15 bis 40 €, meist die teuerste Kategorie.

Was den Preis beeinflusst: die Wirkstoffkonzentration, die Kosten der Zertifizierung, das Nachfüllformat, die Produktion in Frankreich oder in der Region und der Vertriebsweg. Eine Marke, die direkt online verkauft, kann bei vergleichbarer Formel günstiger sein als die Parfümerie – also vergleichen Sie und bleiben Sie nicht beim ersten Fläschchen hängen, das Ihnen über den Weg läuft.

Wo Sie suchen: im Drogeriemarkt (dm, Rossmann) im Bio-Regal, im Naturkostladen oder Reformhaus, in der Apotheke, in den Onlineshops der Marken – und für Duschgele und feste Shampoos immer häufiger im Unverpackt-Laden.

Lénas Fazit

Bi Oh! gibt es nicht mehr, doch die Frage der drei Gründerinnen bleibt aktuell: Eine verantwortungsvolle Pflege kann schön sein, angenehm in der Anwendung und bezahlbar. Das ist kein Wagnis mehr – daraus ist eine ganze Regalwand geworden. Wenn Sie das nächste Mal vor einem Etikett zögern, drehen Sie die Flasche um, suchen Sie das COSMOS-Logo und schauen Sie auf die Inhaltsstoffe, bevor Sie sich von der Verpackung beeindrucken lassen. Zwei Minuten, und Sie wissen, woran Sie sind.

Anders gesagt: Bio muss nicht mehr militant sein, um glaubwürdig zu sein. Es muss nur lesbar sein – und das liegt allein bei Ihnen.

Quellen

  • Cosmébio, französischer Verband für Bio-Kosmetik — cosmebio.org
  • Ecocert, Zertifizierungsstelle — ecocert.com
  • DGCCRF, die französische Verbraucherschutz- und Wettbewerbsbehörde mit Informationen zur Kennzeichnung von Kosmetikprodukten — economie.gouv.fr/dgccrf
  • Historischer Artikel „Bi Oh! cosmétiques bio“, beaute-femme.org (Archiv, herangezogen für die Fakten zur damaligen Linie)