Schwanger werden: So gehen Sie Ihre Chancen aktiv an

Es kann dauern, das wissen Sie vielleicht. Trotzdem tut jeder Monat mit negativem Test ein bisschen weh. Dabei ist das Zeitfenster winzig: Eine Eizelle ist nur zwölf bis 24 Stunden befruchtungsfähig, Spermien können im Zervixschleim bis zu fünf Tage überleben. Daraus ergeben sich praktisch fünf bis sechs fruchtbare Tage pro Monat. Wer diesen Kalender versteht, muss nicht planlos auf gut Glück probieren – und gerät nach zwei negativen Tests nicht gleich in Panik.

Was wir wissen, was wir noch nicht wissen: Die Biologie liefert solide Anhaltspunkte, sie verspricht niemandem etwas. Hier erfahren Sie, wie Sie Ihre Chancen verbessern, ohne das Schlafzimmer in einen Kreißsaal zu verwandeln.

Den Eisprung erkennen, ohne ganze Abende damit zu verbringen

Bei einem 28-Tage-Zyklus liegt der Eisprung oft um den 14. Tag, gerechnet ab dem ersten Tag der Periode. Nur haben wenige Zyklen genau 28 Tage, und derselbe Körper variiert von Monat zu Monat. Wie also vorgehen, ohne zum Statistikprofi am Samstagmorgen zu werden?

Basalthermometer, Ovulationstest und Notizbuch auf einem Nachttisch im Morgenlicht

Drei Hilfsmittel gibt es, jedes mit eigenen Grenzen. Die Basaltemperaturkurve, morgens vor dem Aufstehen gemessen, steigt nach dem Eisprung leicht an: Sie bestätigt, dass ein Eisprung stattgefunden hat, kommt aber zu spät, um in diesem Monat noch zu handeln. Urintests erkennen den LH-Peak und kündigen den Eisprung 24 bis 36 Stunden im Voraus an. Die Beobachtung des Zervixschleims, der zur Zyklusmitte reichlicher und dehnbarer wird, bleibt ein kostenloser und sofort verfügbarer Hinweis.

Zyklus-Apps sind praktisch, um den Überblick zu behalten – solange Sie sich klarmachen, dass sie einen Durchschnitt berechnen, nicht Ihre Physiologie. In der Praxis gilt: Die fruchtbarsten Tage für Sex sind die drei Tage vor dem Eisprung und der Eisprungtag selbst.

Körperlich vorsorgen

Rauchen ist bei beiden Partnern mit verminderter Fruchtbarkeit und einer längeren Zeit bis zur Empfängnis verbunden. Auch Alkohol wirkt dagegen, in einer Phase, in der ohnehin Null empfohlen wird, sobald eine Schwangerschaft möglich ist. Aufhören oder reduzieren vor dem Kinderwunsch gehört zu den wirksamsten Maßnahmen – für Sie und Ihren Partner.

Junge Frau mit gemischter Herkunft bereitet eine bunte, abwechslungsreiche Mahlzeit in einer von Tageslicht durchfluteten Küche zu

Beim Essen gibt es nichts Außergewöhnliches zu tun. Sowohl starkes Untergewicht als auch deutliches Übergewicht können den Eisprung stören. Abwechslungsreich essen, ohne extreme Einschränkungen, reicht meistens aus. Vitamin B9 (Folsäure) wird häufig vor der Empfängnis und in der Frühschwangerschaft empfohlen: Dosis und Dauer besprechen Sie mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Hebamme, nicht in einem Forum.

Auch die Psyche zählt. Aktuelle Daten deuten auf einen Zusammenhang zwischen starkem Stress und einer längeren Zeit bis zur Empfängnis hin, ohne dass klar ist, was Ursache und was Wirkung ist. Die eigentliche Falle bleibt, das Schlafzimmer zum Arbeitszimmer zu machen: Behalten Sie Sex um des Vergnügens willen, nicht nur nach Kalender. Leichter gesagt als getan, das räumen wir ein.

Nach dem Sex liegen bleiben?

Sie haben es sicher schon gehört: liegen bleiben, Beine hoch, „damit es hält“. Bewiesen ist das nicht. Spermien sind beweglich und wandern von selbst; die Vorstellung, dass Sperma „herausläuft“, hält nicht wirklich stand. Ein paar Minuten Ruhe schaden nicht, aber sofort aufzustehen gefährdet nichts. Wenn es Ihnen guttut, machen Sie es – aus Komfort, nicht aus Pflicht!

Junge Frau liegt ruhig und entspannt auf einem Bett, in weicher, bedeckender Kleidung

Die biologische Uhr und der richtige Zeitpunkt für eine Beratung

In Deutschland lag das durchschnittliche Alter von Müttern bei der Geburt zuletzt bei etwa 32 Jahren. Die weibliche Fruchtbarkeit nimmt nach 30 Jahren allmählich ab, deutlicher nach 35. Das ist kein Grund zur Eile, aber eine Zahl, die man kennen sollte.

Bei einem Paar ohne Verhütung und mit regelmäßigem Sex treten etwa acht von zehn Schwangerschaften innerhalb der ersten zwölf Monate ein. Von Unfruchtbarkeit spricht man nach zwölf Monaten ohne Empfängnis, nach nur sechs Monaten, wenn Sie über 35 sind. Manche Situationen sprechen für eine frühere Abklärung: sehr unregelmäßige oder ausbleibende Zyklen, deutliche Unterbauchschmerzen, bekannte Endometriose, frühere Beckeninfektion.

Vergessen Sie die Hälfte des Themas nicht: In fast einem Drittel der Fälle liegt die Ursache beim Mann, in einem weiteren Drittel bei beiden. Das Spermiogramm ist eine einfache Untersuchung, die auf Verordnung von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen wird.

Kein online verkaufter Test, keine App und kein Nahrungsergänzungsmittel kann für sich allein behaupten, dass Sie einen Eisprung haben oder fruchtbar sind. Wenn sich die Versuche hinziehen oder Sie irgendeine Frage haben, sprechen Sie mit einer medizinischen Fachperson – Hausärztin, Hebamme oder Gynäkologin. Das erspart Monate der Ratlosigkeit und im Internet zusammengebastelte Diagnosen.

Budget

Rechnen Sie in Apotheken und Drogerien mit etwa 10 bis 20 € für eine Packung mit fünf bis sieben Urin-Ovulationstests. Der Einzelpreis sinkt deutlich, wenn Sie größere Packungen im Drogeriemarkt oder in Online-Shops kaufen: Marke und Anzahl der Tests beeinflussen die Rechnung.

Ein Basalthermometer mit zwei Nachkommastellen, unverzichtbar für eine zuverlässige Temperaturkurve, kostet wenige Euro bis etwa 20 €, in der Apotheke wie im Drogeriemarkt.

Bei Arzt- oder Hebammenbesuchen gilt: Für gesetzlich Versicherte ist die Beratung im Rahmen der vertragsärztlichen Versorgung in der Regel eine Kassenleistung. Privat Versicherte zahlen nach GOÄ; die Kosten hängen vom Tarif ab. Hebammenleistungen werden je nach Situation abgerechnet.

Die Fertilitätsdiagnostik – Hormonstatus, Ultraschall, Spermiogramm – erfolgt auf Verordnung und wird bei medizinischer Notwendigkeit von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen. Die künstliche Befruchtung (IVF/ICSI) wird von der gesetzlichen Krankenkasse unter bestimmten Voraussetzungen mit 50 Prozent für bis zu drei Versuche bezuschusst; einige Bundesländer geben zusätzliche Zuschüsse. Private Krankenversicherungen regeln das nach Tarif. Zyklus-Apps sind oft kostenlos, Premium-Versionen kosten einige Euro pro Monat.

Wo Sie alles finden: Ovulationstests und Thermometer in Apotheke und Drogerie, günstigere Großpackungen im Online-Handel, und vor allem Ihre Ärztin, Ihr Arzt oder Ihre Hebamme für Abklärung und Beratung.

Quellen