Eine Fachmesse, kein Geschäft
Organisiert wird die MICAM von Assocalzaturifici, dem italienischen Verband der Schuhhersteller. Die Messe gibt es seit Ende der 1960er-Jahre, und sie zählt bis heute zu den wichtigsten Terminen der Branche. Man kommt hierher, um Aufträge zu schreiben, nicht um mit einem Paar Schuhe im Gepäck abzureisen: An den Ständen empfangen die Aussteller Einkäufer, Händler und akkreditierte Journalisten.

Am Format hat sich kaum etwas geändert: drei Tage, rund zehn Hallen, knapp tausend ausstellende Marken. Italien stellt den Großteil der Kollektionen, umgeben von Pavillons aus Spanien, Portugal, der Türkei, Brasilien oder Asien. Die Veranstalter melden für die vergangenen Saisons rund 40.000 Besucher pro Ausgabe, fast die Hälfte davon aus dem Ausland.
Die September-Ausgabe läuft zeitgleich mit der Mipel (Lederwaren), der Lineapelle (Leder und Materialien) und der Milano Fashion & Jewels. Diese Parallelität macht die Mailänder Woche zum Knotenpunkt der gesamten Kette — vom Gerben bis zur Vitrine. Genug, um eine komplette Branche in drei Tagen zu überblicken.
Trends: Wenn Komfort zur Form wird
In den Gängen fallen zwei Richtungen klar auf.

- Die Rückkehr feiner, aber tragbarer Modelle: Loafer mit Kreppsohle, Mary Janes, weiche Derby-Schuhe, neu gezeichnete Ballerinas mit großzügigerer Sohle. Die Linie bleibt schlicht, aber Fall und Komfort machen den Unterschied.
- Der Sneaker wandelt sich weiter: weniger klobige Silhouetten, dafür flachere Profile nach dem Vorbild des Laufsports der 1970er-Jahre, Materialmixe aus Leder und Mesh, dezente Sohlen. Der Klassiker, der zu jedem Look passt!
Bei den Farben rücken die Paletten enger zusammen: tiefe Brauntöne, Bordeaux und dunkle Grüntöne, akzentuiert mit Metallic-Tönen. Der Minimalismus — dünne Sohle, wenige Nähte, unbehandelte Leder — gewinnt bei Nischenmarken an Boden, getragen von der Lust auf „weniger, aber besser“. Barefoot dagegen, lange das Aushängeschild der Innovation, löst inzwischen eine echte technische Debatte über die Stützung des Fußes aus.
Nachhaltigkeit: Belege statt Versprechen
Der Ton hat sich geändert. Wo Stände früher Absichten zeigten, präsentieren sie heute Daten: Herkunft der Häute, Anteil recycelter Materialien, Reparierbarkeitsindex, Bauteillisten. Die europäische Ökodesign-Verordnung (ESPR) zählt Textilien und Schuhe zu ihren Prioritäten und bereitet einen digitalen Produktpass vor, der künftig Waren begleiten soll, die in der EU verkauft werden.

In diesem Umfeld heben italienische Hersteller ihre Distrikte hervor — Riviera del Brenta, Vigevano, Marken — und die Rückverfolgbarkeit ihrer Lieferketten. Der Bereich MICAM X veranstaltet parallel Vorträge und junge Firmen rund um alternative Materialien, Recycling und additive Fertigung.
So bleibt Ihr Paar lange in Form — Ein gutes Paar will gepflegt werden. Schuhspanner aus Zedernholz halten die Form, alle vierzehn Tage eine pflegende Creme auf das Leder, und ein kurzer Gang zum Schuhmacher, sobald eine Sohle durchgelaufen ist: So verlängern Sie die Lebensdauer Ihrer Anschaffung ohne großen Aufwand.
Eine italienische Branche unter Druck
Italien bleibt der größte europäische Schuhexporteur nach Wert, getragen vom Premiumsegment und vom Leder. Die Zeiten sind allerdings anspruchsvoll: rückläufige Nachfrage in Deutschland und China, steigende Energie- und Rohstoffkosten, Konkurrenz durch Fast-Fashion-Plattformen. Die Messe spielt auch ihre Rolle als soziales Barometer — zwischen Ausbildung von Jugendlichen, Übergabe von Familienbetrieben und Fachkräftemangel.
Budget
Schuhe gehören zu den Käufen, bei denen die Preisspanne am schnellsten steigt. Rechnen Sie mit etwa 50 bis 120 € für ein Stadtmodell aus Leder oder Materialmixen — Ballerina, Derby, Loafer — und eher 200 € und mehr für ein durchgenähtes Vollnarbenleder, gefertigt in Italien oder Portugal. Der Preis variiert je nach Stadt (Metropolen bleiben teurer), Material, Gattung und Verarbeitung; auch die Pflege kostet Geld — zwischen Schuhcreme und Schuhspannern. Sie finden Schuhe im Kaufhaus, im Fachgeschäft oder online — die Messe selbst bleibt Fachbesuchern vorbehalten.
Was kommt
Für Einkäufer lässt sich das Signal der Saison in einem Satz zusammenfassen: Der Schuh muss begehrenswert und vertretbar sein. Vertretbar durch Fertigung, Material und Lebensdauer; begehrenswert durch Linie, Farbe und sofortigen Komfort. Marken, die beides schaffen, ohne die Silhouette zu beschweren, haben für Frühjahr/Sommer 2027 einen Vorsprung. Die Februar-Ausgabe in Rho wird zeigen, welche das Versprechen für Herbst/Winter halten.
Quellen
- Offizielle Website der Messe MICAM: Präsentation der Messe, Termine der Februar- und September-Ausgaben und praktische Informationen für Fachbesucher.
- Assocalzaturifici, italienischer Verband der Schuhhersteller: Daten zur italienischen Branche (Exporte, Distrikte, Beschäftigung) und Besucherzahlen der Messe.
- Verordnung (EU) 2024/1781 über Ökodesign: Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Juni 2024 zur Schaffung eines Rahmens für die Festlegung von Ökodesign-Anforderungen — Rechtsgrundlage der ESPR und des digitalen Produktpasses.





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