Nachhaltig heiraten: Ideen für ein grünes Fest
Eine Leserin hat mir letzte Woche geschrieben. Sie heiratet im Juni, rechnet mit achtzig Gästen, und ihr Verlobter träumt von importierten Rosen. Den Planeten retten oder die Beziehung? Durchatmen. Eine zurückhaltende Hochzeit ist keine Liste von Verzichten: Sie ist eine Reihe von Entscheidungen, die zum richtigen Zeitpunkt getroffen werden – und vor allem in der richtigen Reihenfolge.
Die Location, ein Jahr vorher festzurren
Diese Entscheidung bestimmt alle anderen. Ein aktiver Bauernhof, eine renovierte Scheune, eine Wiese mit Zelt: Sie stützen sich auf einen Ort, der schon existiert, statt für einen einzigen Abend eine flüchtige Kulisse aufzubauen. Planen Sie ab der Auftragsbestätigung einen Schlechtwetter-Plan ein und prüfen Sie, wie weit Ihre Gäste anreisen müssen. Ein Ort in vertretbarer Entfernung zu einem Bahnhof verursacht oft weniger Fahrten und Flüge als ein abgelegenes Gelände am Ende einer Landstraße.
Einladungen und Geschenkeliste
Zwei Wege sind sinnvoll. Die digitale Einladung, nahezu kostenlos und ohne Papier, oder der Druck auf zertifiziertem Recyclingpapier nach FSC oder PEFC – in der richtigen Menge. Bei der Geschenkeliste können Sie auf Dinge lenken, die bleiben: ausgewähltes Tafelgeschirr aus zweiter Hand, ein gemeinsames Erlebnis, ein Geldtopf für eine Zugreise statt für einen Flug.

Am Tisch
Bei weniger als fünfzig Gästen kann selbst zu kochen mit saisonalen Produkten einer der wirksamsten Schritte sein: weniger Transport, weniger Verschwendung. Darüber hinaus suchen Sie ein Catering, das regional und saisonal arbeitet. Und seien Sie bei einem Wort besonders wachsam: „bio“. In Deutschland und der Europäischen Union ist die Bezeichnung rechtlich geregelt, sie bedeutet aber nicht automatisch das deutsche Bio-Siegel, das freiwillig bleibt, oder das EU-Bio-Logo, das vor allem für vorverpackte Bio-Lebensmittel aus der EU verpflichtend ist – und nicht für jede Gastronomie-Leistung. Ein Anbieter, der „natürlich“ auf die Karte schreibt, sagt nichts Überprüfbares; fragen Sie beim Bio-Angebot, welche Produkte zertifiziert sind und auf welche Nachweise er sich stützt.

Die Silhouette
Beim Kleid zählt das Material mehr als der Stil. Leinen und Hanf fallen etwas rustikaler, wunderbar in einer fließenden Linie; Maulbeerseide hat einen weicheren, fließenderen Fall. Wenn Sie eine Zellulosefaser suchen: Lyocell wird häufig in einem Verfahren mit weitgehend zurückgewonnenem Lösungsmittel hergestellt, aus Holz, dessen Zertifizierung von der Lieferkette abhängt. Besser als Polyester, aber nicht neutral. Schauen Sie auf die Siegel, nicht zuerst aufs Preisschild. GOTS regelt Verarbeitung und Rückverfolgbarkeit von Textilien aus bereits zertifizierten Bio-Fasern nach ökologischen und sozialen Kriterien – nicht den Anbau der Fasern, der unter die Regeln und Zertifizierungen der ökologischen Landwirtschaft fällt. OEKO-TEX Standard 100 ist eine Prüfung auf Schadstoffe nach Grenzwerten – kein Bio-Siegel. Und denken Sie an Miete oder Secondhand: Es ist das Stück in Ihrer Garderobe, das Sie nicht erneut tragen werden. Eine Änderungsschneiderei kann ein Gebrauchtkleid anpassen; planen Sie genug Zeit für Anproben ein.

Deko und Blumen
Saisonblumen aus der Region, am Vortag geschnitten: der Kompromiss, der Bestand hat. Geschirr, Stühle und Tischdecken lassen sich problemlos leihen. Wenn Ihnen wirklich die Zeit fehlt, geben Sie die Planung an einen Hochzeitsplaner ab – fragen Sie aber nach seinen Lieferanten, nicht nur nach dem Moodboard.
Der Handgriff mit großer Wirkung, ganz ohne zusätzliches Budget: Lassen Sie jede Gästin und jeden Gast das Tischbouquet mit nach Hause nehmen. So entfällt das Blumenwerfen am Ende des Abends, und Ihre Dekoration lebt zu Hause noch eine Woche weiter.
Budget
- Die Location (Bauernhof, Scheune, Dorfgemeinschaftshaus): Je nach Region, Saison und Anzahl der Übernachtungen kostet ein Wochenende einige Hundert bis mehrere Tausend Euro. Etwa ein Jahr im Voraus reservieren.
- Das Catering: 40 bis 90 € pro Gast für ein serviertes Menü, mehr je nach regionalem und Bio-Angebot; 25 bis 50 € für ein Buffet. Der flexibelste Posten.
- Das Kleid: 150 bis 500 € Miete, 300 bis 900 € Secondhand, 900 bis 2.500 € und mehr neu. Dazu 100 bis 250 € für Änderungen.
- Die Einladungen: 1 bis 4 € pro Stück im Druck, in der digitalen Version eine symbolische Summe.
- Blumen und Dekoration: 400 bis 1.500 € je nach Umfang. Bei gleicher Saison mehrere Angebote einholen: Der Preis hängt vor allem von Sorten, Menge und Zeitpunkt ab.
- Die Hochzeitsplanung: von einigen Hundert Euro für Teilbegleitung bis zu mehreren Tausend Euro für die Organisation von A bis Z.
Diese Orientierungswerte schwanken je nach Region und Datum. Lassen Sie sich immer ein schriftliches Angebot machen, und denken Sie an die Nebensaison von November bis März, wenn Sie die Rechnung niedrig halten möchten.
Quellen
- Umweltbundesamt (UBA) (umweltbundesamt.de): Leitfäden und Rechner zum ökologischen Fußabdruck.
- GOTS, Global Organic Textile Standard (global-standard.org).
- OEKO-TEX (oeko-tex.com).
- Europäische Kommission, EU-Bio-Logo.
- Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE), Informationen zum deutschen Bio-Siegel und zur EU-Öko-Verordnung (ble.de).
- Für Frankreich: ADEME (ademe.fr) und INAO (inao.gouv.fr) zum französischen Bio-Rahmen und Label AB.





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