Ist Ihnen schon einmal ein etwas älteres Modefoto untergekommen, bei dem Sie ohne nachzudenken dachten: Das würde ich morgen direkt anziehen? Genau diesen Effekt hatte die Sommerkollektion von Ba&sh auf mich. Die Pariser Marke, gegründet von Barbara Boccara und Sharon Krief, hat ihren eigenen Look: boho, weich, morgens nie kompliziert anzuziehen. Also: Was hält in dieser Garderobe noch stand, und was können Sie getrost ziehen lassen?
Die weite Jeans und die hohe Taille: Die Basis bleibt
Auf den Bildern der Kollektion ist die Richtung klar: kein Duell zwischen Slim und Wide, die weite Variante gewinnt. Ein leicht ausgewaschener Denim, ein weites Oberteil, in den Bund gesteckt, Absätze, die unter dem Saum verschwinden, und dieser breite Gürtel, hoch auf der Taille getragen, um die Silhouette zu formen. Dieses Rezept funktioniert noch immer, und auch 2026 bleibt die weite Denimhose das strukturgebende Stück der Garderobe. Geändert hat sich vor allem die Präzision: Der Fall zählt mehr als die angegebene Weite. Ein fester Denim in High Waist hält die Silhouette; bei einem weichen Denim wählen Sie eine Nummer größer, damit das Bein Bewegung behält.

Beim Material bleibt konventionelle Baumwolle die Norm, und genau das ist ein wunder Punkt bei Jeans – ihr Anbau wird oft wegen des hohen Wasserverbrauchs kritisiert. Eine nützliche Orientierung: das GOTS-Label, das die Lieferkette vom Feld bis zum fertigen Kleidungsstück abdeckt und Anforderungen an Abwasserbehandlung und den Einsatz von Chemikalien stellt. Zertifizierte Ware ist nicht die häufigste Option; der wirksamste Hebel ist oft Secondhand. Und eine Klarstellung am Rande: Ich habe die Teile der Kollektion selbst nicht getestet; ich stütze mich auf die Bilder und darauf, was derzeit getragen wird.
Bermuda-Shorts und Sarouel: Eine Sache mit zwei Seiten
Die Bermuda wurde tief auf den Hüften getragen, weit, im Tomboy-Stil, dazu ein Paar Absätze, um den Teenie-Look zu brechen. Der Kontrast in der Wirkung stimmt noch, der tiefe Sitz deutlich weniger. 2026 ist die Bermuda zurück, länger und mit mittelhoher Taille – und den Unterschied machen die Länge (knapp über oder knapp unter dem Knie, nie genau in der Mitte) und das Gewicht des Materials. Ein fester Denim hält die Form; dünne Baumwolle macht daraus eine Pyjama-Shorts.

Der Sarouel dagegen kann ehrlich gesagt bleiben, wo er ist. Der tiefe Schritt kommt vielleicht irgendwann zurück, aber an einer heutigen Silhouette – sagen wir es ohne Umschweife – macht er alles schwerfällig, was er berührt. Dann lieber die Shopping-Energie für die Stücke aufsparen, die wirklich arbeiten.
Lange, luftige Kleider: Der tragbarste Teil
Langes Kleid aus plissierter Baumwolle, extra langer Rock zum engen Top, Bustierkleid, das mit Riemchensandalen kombiniert wird: Die Marke setzt auf Volumen und Bewegung. In der Praxis bleibt das der Teil, den man am leichtesten wieder hervorholt, und der neu interpretierte Boho-Look hat diese Schnitte wieder in den Vordergrund gerückt. Die Balance-Regel gilt unverändert: Volumen unten, ein körpernahes Oberteil – sonst verschwindet die Silhouette. Beim Print reicht ein großflächiges Blumenmuster auf einem langen Rock, um den Raum zu füllen; das Oberteil muss nicht noch mehr abbekommen, sondern darf einfach atmen.

Beim Material gibt es zwei glaubwürdige Optionen. Zertifiziertes Leinen von European Flax sichert die europäische Herkunft der Faser zu, aber nicht die Arbeitsbedingungen – das sollte man im Hinterkopf behalten. Bio-Baumwolle mit GOTS geht bei der Kontrolle der Lieferkette weiter. Und auch das Lebensende zählt: Ein Kleid aus Leinen oder Baumwolle lässt sich gut weiterverkaufen, ein Teil aus Polyester-Mix findet bei Secondhand seltener Abnehmer.
Leder: Die Ausgabe, die eine Überlegung wert ist
Leder-Bomber über weiter Jeans: Der Mix aus Boho und Rock funktioniert noch immer, und er ist sogar das einfachste Layering, das gelingt. Ein neues Lederteil bleibt aber der schwerste Kauf in der Garderobe. Der ehrliche Kompromiss: zuerst Secondhand, oder pflanzlich gegerbtes Leder aus einer LWG-zertifizierten Gerberei – das Label bewertet Gerbereien in puncto Umweltmanagement und Rückverfolgbarkeit, zertifiziert aber keine Haltungsbedingungen.
Drei Teile, nicht mehr. Ein starkes Volumen (langer Rock oder weite Jeans), ein schlichtes, körpernahes Oberteil und ein Accessoire, das die Arbeit übernimmt: breiter Gürtel, Riemchensandalen oder ein einziges Schmuckstück mit genug Präsenz. Zwei Texturen, die sich gegenseitig aufgreifen, geben die nötige Tiefe; alles andere darf in den Hintergrund treten.
Budget
In Frankreich beobachtete Richtwerte, zur Orientierung:
- Weite Jeans: rund 40 bis 120 € im breiten Einzelhandel und in Modegeschäften, 80 bis 200 € für zertifizierten Denim oder in Europa gefertigte Ware, 15 bis 60 € gebraucht.
- Langes Kleid oder langer Rock aus Baumwolle oder Leinen: 30 bis 90 € in Modegeschäften, 90 bis 250 € für Bio-Baumwolle oder europäisches Leinen, 20 bis 70 € im Secondhand-Laden.
- Riemchensandalen aus Leder: 50 bis 150 €, bis zu 300 € bei pflanzlicher Gerbung.
- Breiter Gürtel: 20 bis 60 €, bis zu 120 € aus Vollnarbenleder.
- Lederjacke: 200 bis 600 € neu, 60 bis 250 € gebraucht.
Was den Preis bestimmt: das Material und sein Label, der Herstellungsort, die Verarbeitung und vor allem der Einkaufskanal. Neuware gibt es im Geschäft oder online, den Rest im Secondhand-Laden oder auf Secondhand-Plattformen.
Quellen
- Global Organic Textile Standard (GOTS): global-standard.org
- European Flax: europeanflax.com
- Leather Working Group: leatherworkinggroup.com
- Refashion (französische Textilorganisation): refashion.fr





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