Sie schminken sich im Badezimmer, das Licht ist weich, der Teint wirkt ebenmäßig. Zwei Stunden später, unter der Neonbeleuchtung im Büro, ist die Haut ins Rosa-Orange gekippt und in die feinen Fältchen neben der Nase hat sich das Produkt gesetzt. In den meisten Fällen liegt es weder an Ihrer Haut noch an Ihrer Technik: Es ist die Textur oder der Farbton, der nicht passt. Also gehen wir den Ablauf noch einmal von vorn durch – in Ruhe.

Eine Foundation gleicht aus – sie bräunt nicht

Eine Foundation hat genau eine Aufgabe: ausgleichen. Sie ist nicht dafür da, für frische Ausstrahlung zu sorgen, und schon gar nicht dafür, die Haut einen halben Ton dunkler zu machen, in der Hoffnung auf einen Hauch Urlaubsbräune – so holen Sie sich vor allem eine sichtbare Kante entlang des Kiefers. Für den frischen Teint sind Blush oder Bronzer zuständig, und zwar erst danach.

Für den passenden Ton testen Sie am Kiefer, nie am Handgelenk: Diese Zone ist heller und rosastichiger als Ihr Gesicht, ein Fehlgriff ist da vorprogrammiert. In der Praxis ziehen Sie drei Streifen nebeneinander entlang des Kiefers, warten etwa zehn Minuten im Tageslicht und schauen, welcher verschwunden ist. Der ist der richtige. Wenn es sich einrichten lässt, nehmen Sie jemanden in die Parfümerie mit: Eine geschulte Beraterin sieht, was Ihr Auge nicht mehr wahrnimmt – besonders, wenn Sie zwischen zwei sehr ähnlichen Nuancen schwanken.

Drei Foundation-Streifen nebeneinander am Kiefer, im Tageslicht getestet
Der Test am Kiefer entscheidet allein über den richtigen Ton

Welche Textur für welchen Hauttyp

Mit Textur ist die Produktform gemeint – Fluid, Creme, loser Puder, Kompaktpuder. Jede folgt einer eigenen Logik.

  • Trockene Haut: ein Fluid oder eine getönte Creme, reich genug an Fetten, damit Dehydratationsfältchen nicht betont werden.
  • Mischhaut bis ölige Haut: ein Fluid mit mattem Finish oder ein Kompaktpuder, allein verwendet, das oft hervorragend hält, ohne fixiert werden zu müssen.
  • Sensible Haut: eine kurze Formel ohne Duftstoffe und ohne Alkohol, mit wenigen Inhaltsstoffen.
  • Rötungen und Unreinheiten: modulierbare Deckkraft; der Hinweis „nicht komedogen“ ist hilfreich, wenn Ihre Haut zu Unreinheiten neigt.

Kompaktpuder kommt allein aus. Fluide decken dagegen weniger und halten kürzer: Eine Schicht Puder fixiert sie und lässt das Hautbild zarter erscheinen. Auch dieses Puder wählen Sie passend zu Ihrem Hautton. Wenn es kreidet oder dunkel wirkt, passt es nicht.

Kompaktpuder, getönte Creme und flüssige Foundation auf einer hellen Unterlage
Fluid, Creme oder Puder: jede Form hat ihren Hauttyp

Das Ritual davor: gereinigt, gepflegt, geduldig

Vor den Pinseln kommt die Haut. Sanfte Reinigung, dann die passende Pflege: eine Komfortcreme für trockene Haut, ein leichtes ausgleichendes Serum für Mischhaut bis ölige Haut. Danach ein paar Minuten einziehen lassen, bis die Haut unter den Fingern nicht mehr klebt. Genau hier entscheidet sich, ob das Ergebnis hält: Auf noch feuchter Haut rutscht die Foundation, bildet Krümel und ist im Laufe des Tages kaum noch da.

Eine junge Frau wartet reglos, bis die Creme eingezogen ist, bevor sie sich schminkt
Erst die Haut, dann die Pinsel: die Creme einziehen lassen

Auftragen: wenig Produkt, von der Mitte nach außen

Finger, Pinsel oder Schwamm – alle drei funktionieren. Ein feuchter Schwamm deckt mehr und verschmilzt die Textur besser mit der Haut; ein dichter Pinsel verbraucht weniger und verteilt gleichmäßiger; der warme Finger lässt das Produkt schmelzen – praktisch, wenn Sie es eilig haben, sofern Sie nicht zu viel nehmen. Gut zu wissen: Ein Creme-Kompakt wird mit dem Schwamm aufgetragen, ein gepresstes Puder mit Pinsel oder Quaste.

Ein Auftrag Foundation, von der Gesichtsmitte nach außen
Von der Mitte nach außen, in sehr kleiner Menge

Der Ablauf bleibt gleich: Sie starten in der Mitte des Gesichts und arbeiten in sehr kleiner Menge nach außen, nachgelegt wird nur dort, wo es nötig ist. Verstreichen Sie alles, bis keine Ränder mehr zu sehen sind. Achten Sie auf die kniffligen Zonen – Nasenflügel, Augenbrauenbögen, Haaransatz, unterer Gesichtsbereich – und prüfen Sie die Grenze: keine sichtbare Kante zwischen Gesicht und Hals. Zum Schluss mit einem sauberen Schwamm abtupfen.

Müder Tag. Mischen Sie auf dem Handrücken einen Tropfen sehr feinen flüssigen Highlighter unter Ihre Foundation-Dosis und tragen Sie sie dann auf. So gewinnen Sie Leuchtkraft, ohne aufzutragen. Einfache Faustregel: Wenn Sie die Schimmerpartikel mit bloßem Auge sehen, ist es zu viel.

Augenringe, Tränensäcke und bewegliches Lid

Ohne Augenringe genügt rund um die Augen ein Hauch Foundation. Bei Augenringen oder Tränensäcken greifen Sie zum Concealer, vom inneren Augenwinkel nach außen, tupfend und nicht streichend: Beim Streichen dehnen Sie die Textur und betonen die Fältchen. Beim Farbton gilt: Ein Concealer, etwas heller als die Foundation, gleicht einen bläulichen Augenring aus; eine aprikotfarbene Nuance arbeitet bei braunen Augenringen besser.

Kleiner Concealer-Tupfer unter dem Auge, vom inneren Augenwinkel nach außen
Unter dem Auge wird getupft, niemals gestrichen

Setzen Sie auch einen Tupfer auf das bewegliche Lid: Die Zone wirkt geglättet, sichtbare Äderchen werden abgemildert, und Lidschatten hält besser. Auch hier lassen Sie sich beim Farbton beraten – hier fällt ein Fehlgriff am stärksten auf.

Bei den Produkten: Worauf es wirklich ankommt

Ich habe nicht alle erhältlichen Formate getestet, deshalb gebe ich Ihnen Kriterien statt Markennamen. Drei Dinge lohnen einen Blick.

Eine Puder-Nachfüllung neben dem wiederverwendbaren Etui und einem Glasgefäß
Die Nachfüllung: der einfachste Weg, weniger wegzuwerfen

Zuerst die Nachfüllung: Immer mehr Kompaktpuder und feste Foundations gibt es als einzelnes Pfännchen, das Sie in ein Etui einlegen, das Sie behalten. Glas, Karton oder Aluminium lassen sich in der Regel besser recyceln als ein Pumpspender aus mehreren Materialien – Glas, Plastik, Metallfeder –, der am Ende verbrannt werden kann. Eine feste Foundation oder eine wasserfreie getönte Creme wiegt beim Transport außerdem weniger, was nicht nebensächlich ist.

Dann die Siegel – und was sie tatsächlich aussagen: Cosmébio, ein französisches Siegel, und COSMOS Organic (Träger: Ecocert und BDIH) schreiben einen Mindestanteil an Inhaltsstoffen aus ökologischem Anbau vor sowie ein Lastenheft zu den Herstellungsverfahren. Über Transportwege oder CO2-Bilanz sagen sie dagegen nichts. Das ist ein Rahmen, kein Freibrief in Sachen Nachhaltigkeit.

Der Kompromiss schließlich, und da bin ich lieber ehrlich: Feste Texturen und getönte Bio-Cremes decken oft weniger als ein gut pigmentiertes konventionelles Fluid, und die Farbpaletten bleiben arm an dunklen Tönen. Wenn Ihr Hautton schwer zu treffen ist, ist ein klassisches Fluid die bessere Wahl als eine Bio-Nuance, die nicht zu Ihnen passt.

Preise

Für eine Foundation können Sie in Deutschland ungefähr mit diesen Preisen rechnen:

  • Drogerie-Eigenmarke oder Supermarkt: 8 bis 20 €;
  • Apotheke und mittleres Preissegment: 25 bis 45 €;
  • Premium: 45 bis 75 €, teils mehr;
  • feste Foundation oder getönte Bio-Creme, oft als Nachfüllung: 15 bis 40 €;
  • Kompaktpuder: 10 bis 40 €;
  • wiederverwendbarer Schwamm: 5 bis 15 €, Foundation-Pinsel: 10 bis 30 €.

Was den Preis beeinflusst: die Füllmenge, die Verfügbarkeit einer Nachfüllung, der Lichtschutzfaktor, die Anzahl der angebotenen Farbtöne und der Vertriebsweg. Online sind die Preise oft niedriger, aber hüten Sie sich vor Fälschungen auf Marktplätzen. Sie finden diese Produkte in der Drogerie (dm, Rossmann), in der Apotheke, in der Parfümerie, im Reformhaus, in Kosmetikstudios und im offiziellen Shop der Marken.

Quellen

  • Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates über kosmetische Mittel.
  • BfArM, Marktüberwachung kosmetischer Mittel.
  • Verpackungsgesetz (VerpackG) und Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) zu Verpackungen und Kreislaufwirtschaft.
  • Cosmébio, Charta und Labels für ökologische und biologische Kosmetik.
  • Ecocert, COSMOS-Referenzrahmen.
  • IKW (Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel), Marktdaten zur Kosmetikbranche.