Es gibt Namen, die kursieren, bevor man auch nur die erste Spitze berührt hat. Genau das ist Aubade: Sie kennen die Marke, ohne zu wissen, warum – irgendwo in Ihrer Erinnerung hängt doch dieses Schwarz-Weiß-Plakat: ein Körper ohne Gesicht, ein leicht neckischer Satz und das Gefühl, man hätte Ihnen ein Geheimnis ins Ohr geflüstert. Nur beginnt die Geschichte dieses französischen Hauses weder in einem Katalog noch in einem Modeatelier. Sie beginnt auf einem Behandlungstisch.

Von orthopädischen Korsetts zu den ersten Spitzen
Wir schreiben das Jahr 1875, und ein Arzt namens Bernard beginnt mit der Herstellung orthopädischer Korsetts. Zugegeben, glamourös ist das nicht. Damals heißt das Unternehmen noch nicht Aubade, sondern Prégermain, und erst in den 1920er-Jahren wechselt es den Besitzer: Jean Pasquier übernimmt. Sein Sohn Charles bringt später die Marke Aubade hervor – vielleicht mit Bezug auf das Département Aube, in dem er geboren wurde; die Hauslegende hat sich in diesem Punkt nie eindeutig festgelegt. Das also war die Wiege: Coutil, Korsettstäbe, keine Spitze.
Der Umschwung kommt mit den 1960er- und 1970er-Jahren. Der Mai 1968 bringt Aufbruch und Kühnheit, und Aubade macht die Verführung zu ihrem Spielfeld – eine Freiheit, die einige Auseinandersetzungen mit der Zensur nach sich zieht. Mehrere Kampagnen galten als gewagt, ja skandalös, und wurden von Plakatwänden entfernt; eine zeigte die Hand eines Mannes auf dem Oberschenkel einer Frau. Können Sie sich diese Szene heute vorstellen? Auf der Straße, zwischen zwei Bushaltestellen?

Die „Leçons de séduction“: Körper ohne Gesicht
Aubade kommt mit sicherem Erfolg durch die 1980er-Jahre und gerät danach ins Stocken. Ann-Charlotte Pasquier, die Tochter von Charles, übernimmt das Haus und setzt ganz auf Kommunikation. Anfang der 1990er-Jahre startet sie die berühmten „Leçons de séduction“: Models mit idealer Silhouette, ohne Gesicht fotografiert, jedes Motiv mit einem Satz voller Doppeldeutigkeit. Die Idee dahinter? Jede Frau sollte sich in diese Körper hineinversetzen können, statt Betrachterin ihres eigenen Bildes zu bleiben.
Das Kalkül geht auf, und diese Bilder sind bis heute im kollektiven Gedächtnis – was für ein kluger Schachzug! 2005 wird das Haus an die Schweizer Calida-Gruppe verkauft, ohne dass sich die Linie wirklich verändert: Spitze, Transparenzspiele und kleine Sätze, die Ihnen ein Lächeln entlocken. Über die Jahrzehnte wechselten mehrere Fotografen hinter der Kamera, und ihre Arbeit zählt genauso wie die Worte.

Spitze: Handwerk, das man trägt
Bleibt das Wesentliche: das Kleidungsstück. Denn Aubade ist nicht nur ein Plakat, sondern Lingerie, die für den Alltag gedacht ist – und mal ehrlich: Was nützt Ihnen der schönste BH der Welt, wenn er nach zwei Stunden kratzt? Bei den Materialien arbeitet das Haus mit Spitze, Tüll und Seide – Texturen, die den Fall und einen guten Teil des Haltes ausmachen. Der Schnitt ist ebenso wichtig: Ein gut sitzendes Unterbrustband schmiegt sich an die Silhouette, ohne einzuengen; ein schlecht geschnittenes Modell verdirbt Ihnen den ganzen Tag.
Gute Nachricht: Einige Kollektionen setzen heute auf verantwortungsvollere Spitzen. Sie sollten trotzdem vor dem Kauf die Materialzusammensetzung und die Labels im Etikett prüfen – eine Spitze, die als nachhaltig bezeichnet wird, aber keine genauen Angaben macht, sagt wenig über ihre Herkunft und Entsorgung aus. Und wenn Sie weitersuchen: Second-Hand und Restposten sind oft ein guter Fund, um den Schnitt zu testen, ohne das volle Budget auszugeben.
Der Handgriff, der beim Anprobieren alles verändert: Stellen Sie zuerst das Unterbrustband ein, und zwar auf dem lockersten Haken. Es sorgt für den Großteil des Haltes, nicht die Träger. Danach stellen Sie die Träger ein und prüfen, ob die Körbchen die Brust umschließen, ohne sie zu drücken. Ein ganz einfaches Detail, das den Tragekomfort eines ganzen Tages verändert.

Der wahre Tragekomfort-Test. Ziehen Sie das Stück an, heben Sie die Arme, setzen Sie sich, beugen Sie sich vor. Wenn das Band im Rücken hochrutscht, ist es oft zu weit; wenn die Körbchen abstehen, sind sie vielleicht zu groß oder die Form passt nicht. Auch das Modell selbst kann die Ursache sein – probieren Sie dann eine andere Größe oder einen anderen Schnitt. Lingerie, die Sie dazu zwingt, stillzuhalten, ist nie ein guter Kauf.
Was das Budget angeht: Wie Sie auswählen
Die Marke liegt im gehobenen Bereich französischer Lingerie, und die Preise variieren vor allem nach Material und Aufwand des Modells. Da ich nicht die gesamte Kollektion getestet habe, sollten Sie vorschnell genannten Preisen misstrauen: Prüfen Sie immer im Geschäft oder auf der offiziellen Website, bevor Sie zur Kasse gehen.

Ein paar vorsichtige Anhaltspunkte zur Einordnung der Kollektion:
- ein Spitzen-BH: etwa 50 bis 90 €;
- ein komplettes Set (BH + Slip): etwa 90 bis 170 €;
- Stücke aus Seide oder aufwendigerer Stickerei: eher 120 bis 200 €, manchmal darüber.
Dazu kommen die üblichen Unterschiede: die Stadt, die gewählte Linie und die Pflege – denn feine Spitze wäscht man besser per Hand oder im Wäschenetz, ein Zeitbudget, das Sie ebenfalls einplanen sollten. Wo gibt es die Stücke? Im Fachgeschäft für Dessous, in einigen großen Kaufhäusern mit Wäscheabteilung oder online im offiziellen Shop der Marke, wo Sie auch Restposten finden.
Und wenn Sie zwischen zwei Größen schwanken, nehmen Sie die mit dem enger sitzenden Unterbrustband: Der Stoff gibt mit der Zeit leicht nach, nie umgekehrt.
Chloés Fazit: Ein Haus, das verstanden hat, dass schöne Spitze nichts nutzt, wenn man sie nicht vom Morgen bis zum Abend tragen kann. Eines bleibt Ihnen vor dem Gang zur Kasse: Heben Sie die Arme.

Quellen
- Aubade – offizielle Website des Hauses, abgerufen 2026.




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