Beim letzten Mal habe ich mir die Haare im Badezimmer gefärbt und danach fünfzehn Tage lang einen orangefarbenen Scheitel und ein fleckiges Handtuch bis zum nächsten Urlaub gehabt. Seitdem habe ich mich ernsthaft mit dem Thema beschäftigt – und eines verstanden: Wenn etwas schiefgeht, liegt es selten am Produkt, fast immer an der Vorbereitung. Hier ist alles, was man mir hätte sagen sollen, bevor ich meine erste Tube aufgedreht habe.

Selbst färben: Wann Sie es wagen können – und wann besser nicht

Sie träumen davon, von Schwarz auf Platinblond zu wechseln? Dann können Sie das Projekt sofort ad acta legen: Das ist nichts für das Badezimmer. Eine permanente Coloration kann bereits gefärbtes Haar nicht aufhellen. Sie lagert Farbstoff an, sie zieht keinen heraus. Zum Aufhellen muss blondiert werden – also dosieren, Haarbruch im Blick behalten und Kupferreflexe korrigieren. In der Realität braucht ein Friseur für diesen Wechsel oft zwei oder drei Termine, nicht einen Nachmittag.

Hände einer jungen Frau, die drei Arten von Haarfärbemitteln auf einem Holztisch vergleicht
Permanent, Ton-in-Ton, Tönung: drei Prinzipien, drei Handgriffe

Den Rest können Sie zu Hause durchaus wagen: Ihre Nuance auffrischen, erste graue Haare abdecken, ein paar Reflexe setzen oder eine Farbe für einen Anlass testen.

Permanent, Ton-in-Ton, Tönung: drei völlig unterschiedliche Prinzipien

Die permanente Coloration enthält ein Oxidationsmittel, oft zusammen mit Ammoniak oder einem Ersatzstoff. Sie öffnet die Haarfaser, hellt einen Teil des natürlichen Pigments auf und lagert die Farbe an. Nur sie deckt graue Haare wirklich ab und hellt auf. Sie wäscht sich nicht aus: Sie wächst mit dem Haar heraus.

Die Ton-in-Ton-Coloration, auch demi-permanente Coloration genannt, lagert Farbe ohne Ammoniak an. Sie kann deshalb nicht aufhellen. Sie kaschiert weiße Haare, deckt sie aber nicht perfekt ab – meist nur, wenn der Weißanteil bis zu einem Drittel beträgt und die Packungsbeilage das angibt. Sie wäscht sich mit der Zeit aus, oft nach etwa zwanzig Haarwäschen, was von Kopf zu Kopf stark variiert.

Tönungen – pigmentierte Masken, Sprays, Mousse – enthalten weder Ammoniak noch Oxidationsmittel. Sie umhüllen die Faser und gehen nach ein paar Haarwäschen wieder heraus. Ideal, um eine Farbe ohne Verpflichtung auszuprobieren. Kleiner Haken: Auf sehr hellem Haar hinterlassen manche rosa- oder blauen Pigmente hartnäckige Spuren.

Die Regel, die Sie sich merken sollten: Ohne Oxidationsmittel wird nichts aufgehellt. Eine Packung mit der Aufschrift „Blond“, auf dunkelbraunem Haar angewendet, ergibt warmes Braun, niemals Blond.

Und Strähnen-Kits mit Haube oder Pinsel? Nur mit Übung – sonst gibt es Flecken.

Der entscheidende Schritt: der Hauttest

Der Test 48 Stunden vor jeder Coloration ist kein Marketingargument. Seit 2011 sind gesundheitliche Warnhinweise auf Haarfärbemitteln verpflichtend. Einer der wichtigsten Allergieauslöser ist Paraphenylendiamin (PPD). Eine Sensibilisierung kann auch nach Jahren problemloser Anwendung auftreten. Tragen Sie eine erbsengroße Menge des Produkts ohne Oxidationsmittel hinter dem Ohr oder in der Ellenbeuge auf. Juckreiz, Rötung, Schwellung: Dann färben Sie nicht und holen ärztlichen Rat ein.

Die Gebrauchsanweisung – bitte genau befolgen

Verlängern Sie die Einwirkzeit niemals in der Hoffnung auf ein leuchtenderes Ergebnis. Das Produkt wirkt nicht besser, es schadet nur mehr. Handschuhe, gut lüften und eine dicke Barriercreme auf Stirn, Schläfen, Ohren und Nacken: Das ist das Detail, das Farbränder verhindert.

Beim Ansatz färben Sie zuerst die Ansätze und ziehen das Produkt in den letzten zehn Minuten durch die Längen. Bei unbehandeltem Haar ist es umgekehrt: zuerst die Längen, dann die Ansätze.

Spülen Sie aus, bis das Wasser klar ist, dann mildes Shampoo und eine Haarmaske. Pflege nach dem Färben schützt nicht nur die Farbe, sondern begrenzt auch Haarbruch.

Die richtige Nuance wählen

Vergessen Sie das Modelfoto auf der Packung: Das Haar wurde blondiert und das Bild anschließend retuschiert. Schauen Sie auf die Nuancenskala – und vor allem auf Ihr Spiegelbild bei Tageslicht. Badezimmerlicht täuscht. Um graue Haare abzudecken, bleiben Sie bei Ihrem Naturton oder einer halben Nuance darüber, sonst werden die Ansätze heller als der Rest.

Und wenn das Ergebnis nicht gefällt?

Dann warten Sie. Wirklich. Bei einer Ton-in-Ton-Coloration oder einer Tönung bringt Sie jede Haarwäsche ein Stück näher an den Ausgangszustand. Bei einer permanenten Coloration sollten Sie lieber einen Profi-Termin machen, als eine zweite Packung im Drogeriemarkt zu kaufen: Mehrere permanente Farben hintereinander strapazieren das Haar und dunkeln die Farbe nach. Der empfohlene Abstand zwischen zwei Colorationen hat genau deshalb seinen Sinn.

Junge Schwarze Frau trägt eine erbsengroße Menge Coloration hinter dem Ohr auf, um den Hauttest zu machen
Der Test 48 Stunden vorher: der Handgriff, der viel Ärger erspart
Junge asiatische Frau trägt die Coloration mit einem Pinsel auf den Ansatz auf
Erst der Ansatz, dann die Längen: der richtige Rhythmus

Ein letzter Tipp: Notieren Sie Farbreferenz und Chargennummer auf dem Handy. Wenn Ihnen das Ergebnis gefällt, wissen Sie, was Sie nachkaufen. Wenn nicht, wissen Sie, was Sie künftig meiden.

Produkte: Wann „natürlich“ wirklich glaubwürdig ist

Wenn Sie die Belastung durch besonders reizende Moleküle verringern möchten, sollten Sie wissen: Eine zu 100 % pflanzliche permanente Coloration, die aufhellt, gibt es nicht. Henna umhüllt das Haar und beeinflusst den Glanz, deckt graue Haare aber nicht so zuverlässig ab wie eine oxidative Coloration und kann mit klassischer Haarfarbe interagieren. Auf diesem Gebiet sagen wir Ihnen die Wahrheit: Zum Aufhellen oder für eine dauerhafte Abdeckung ist Oxidationsmittel weiterhin unverzichtbar. Der ehrliche Kompromiss: eine Packung mit milder Formel wählen, Anwendungen nicht zu oft hintereinander legen und Haar und Kopfhaut dazwischen pflegen. Bei der Pflege nach dem Färben dürfen Sie sich dagegen etwas gönnen: feste Shampoos, Masken zum Nachfüllen oder im Glas, wasserlose, konzentriertere Formeln – achten Sie lieber auf Siegel als auf Werbesprüche auf der Flasche.

Budget

Rechnen Sie ungefähr mit:

  • 6 bis 15 € für eine Coloration aus Drogerie oder Supermarkt, 10 bis 25 € in der Parfümerie – der Unterschied liegt vor allem an der enthaltenen Pflege und der Genauigkeit des Nuancenberaters.
  • 15 bis 35 € für eine pflanzenbasierte Coloration oder eine mildere Formel (Reformhaus, Bioläden, Fachgeschäfte, Onlinehandel).
  • 12 bis 30 € für ein gutes Shampoo und eine Haarmaske für die Zeit nach dem Färben.
  • 40 bis 90 € im Salon für eine Ansatzfarbe, 60 bis 140 € für eine komplette Coloration – je nach Haarlänge und Stadt.
  • 80 bis 200 € für Balayage oder aufwendige Strähnen, ebenfalls je nach Länge, Haardichte und Technik.

Im Salon steigt der Preis schnell bei langem oder dichtem Haar, in der Innenstadt und bei einer Leistung durch einen erfahrenen Coloristen. Eine Heimpackung bleibt dagegen günstig, bietet aber weder eine Diagnose noch eine Korrektur, wenn etwas schiefgeht.

Quellen

  • Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) – Sicherheitshinweise und Informationen zu Haarfärbemitteln und Paraphenylendiamin.
  • Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 über kosmetische Mittel, Anhang III (Beschränkungen für Haarfärbemittel), EUR-Lex.
  • Kosmetikverordnung (KosmetikV) – Anforderungen an gesundheitliche Warnhinweise bei Haarfärbemitteln; in Frankreich gilt hierfür unter anderem der Arrêté du 4 août 2011 (Légifrance).